2019 – Über das Madritschjoch ganz hoch hinaus

Dieser Alpencross wurde aufgrund eines bestimmten Teilnehmers geplant. Es sollte unbedingt über das Madritschjoch, 3.123 Meter hoch über dem Meeresspiegel gelegen, gehen. Start ist in Oberstdorf und über den Schrofenpass geht’s ins Verweil-Tal. Über Ischgl, Nauders, Sulden fahren wir mit der Seilbahn zur Bergstation. Hoch zum Madristchjoch sind dann noch einmal gut 500 hm zu schieben bevor es auf der Südseite zur Zufallhütte runter geht. Die lange Abfahrt ins Etschtal ist vom Feinsten was ein Transalp bieten kann. Über das Vigiljoch und Gampenpass fahren wir zum Molvenosee und von dort ist der Gardasee nicht mehr weit.

Tag 1

Nach der etwas verzögerten Anfahrt mit der DB Regio (Fahrradmitnahme begrenzt möglich) starteten wir gegen 9:45 Uhr in Oberstdorf und fuhren an der Flugschanze vorbei in Richtung Schrofenpass. Das erste Highlight der Tour hatte ein Teil von unserer Gruppe bereits 2014 überquert und somit wussten wir schon, dass wir das Fahrrad links tragen um uns nicht den Hals zu brechen.
Eine dreiviertel Stunde später gönnten wir uns ein Gipfel-Bier (Radler), dass wir auf der Hütte an der Maldenwang Alpe, gut gekühlt kaufen konnten. Danach lief der Downhill Trail deutlich flüssiger. In Warth stärkten wir uns zur Mittagszeit an der Metzgerei mit Leberkäs und dann ging es wie geplant weiter nach Lech und Zürs. Dieser Abschnitt ist leider hauptsächlich auf der Straße. Nach Überfahren des Flexen- und des Arlbergpasses spürten wir die Anstrengungen und das frühe Aufstehen. Dennoch ließen wir den etwas ruppigen Trail hinunter ins Verwalltal nicht aus. Die letzten 350 hm bis zur Konstanzerhütte sind eigentlich gut fahrbar aber mit 2000 hm in den Beinen haben wir an den 20 % Rampen doch lieber geschoben. Gegen 18 Uhr erreichten wir die Hütte und stärkten uns mit Weißbier und diversen köstlichen Speisen. Der Abend klang relativ früh aus, da Hüttenruhe und unser früher Start am Morgen ihren Tribut zollten.

Tag 2
Über Nacht hatte Regen eingesetzt und wir waren nicht sicher ob wir heute nass werden würden. Aber nach dem Frühstück hörte es auf zu regnen und wir konnten unsere Tour trocken aber in leichten Nebelschwaden fortsetzen. Es ging weiter das Verwall hoch, zunächst leicht auf einem Forstweg der dann in einen Wanderweg überging. An der etwas wackeligen Brücke macht der Weg einen Schwenk und kurz darauf ist Schieben angesagt. Nach ca. einer halben Stunde erreicht man die Bergseen und hat auch gleich die neue Heilbronner Hütte in Sicht. Nach der Hütte fuhren wir auf dem Schotterweg in Richtung Galtür (ACHTUNG: Murmeltiere kreuzen den Weg!) und nahmen dann noch einen schönen Trail am Zeinissee mit. Über den Radweg erreicht man relativ schnell Ischgl. Hier fuhren wir mit der Silvretta-Seilbahn und dem Flimbahn-Sessellift hoch zum Flimjoch. Dort startet ein flowiger TRail Richtung Samnaun. Leider ist er nicht durchgehend, sodass wir die letzten 200 hm auf einer Schotterpiste vernichten mussten. Im „Almrausch“ gab es dann ein Alkoholfrei zur Stärkung. Der Rest des Tages verläuft dann leider auf Asphalt Richtung Martina an der schweizer Grenze und dann hinauf zur Norbertshöhe. Von dort mussten wir nur noch nach Nauders hinunterrollen und uns eine Unterkunft suchen. Wir übernachteten im Hotel „Maultasch“ und genossen nach der spartanischen Konstanzer-Hütte den angenehmen Wellnessbereich.

Tag 3

Wettertechnisch hatten wir ab dem 3. Tag bestes Sommerwetter. Von Nauders sind wir die ersten 700 hm mit der Seilbahn ins Skigebiet gefahren und dann über einen Trail an den Panzersperren vorbei runter zum Reschensee. Von dort den Radlweg über Burgeis nach Glurns. In Burgeis hatte uns ein Einheimischer den Tipp gegeben nicht den Radweg weiter zu fahren sondern etwa 100 hm zusätzlich zu investieren und dann am Hang entlang einen schönen Trail bis Prad zu nehmen. Das hatte sich wirklich gelohnt, da der Trail zwar anstrengend war aber dafür sehr schöne Blicke ins Etschtal freigab. Der Rest dieser Etappe ist leider etwas eintönig. Auf der Straße Richtung Stilfserjoch kurbelt man gut 900 hm am Stück bergauf. Bei Temperaturen um die 30 Grad ist regelmäßiges Trinken Pflicht auch wenn man eigentlich keinen Durst verspürt. Nach ca. 2 Stunden erreichten wir Sulden und übernachteten im wirklich sehr guten Parc Hotel. Das 5 Gänge-Menü entschädigte für die Schinderei bei der Auffahrt.

Tag 4

An diesem Tag stand uns die Königsetappe bevor. Man merkte allen die Anspannung an und wir nahmen die erste Seilbahn hoch auf 2600 Meter ü.n.N. Erstaunlicherweise hatten wir selbst in dieser Höhe und bis zum Madritschjoch auf 3123 Meter Temperaturen, die uns Shirt und kurze Radlhose erlaubten. Trotz des vielen Schnees im letzten Winter, waren nur zwei kleine Schneefelder übrig, die uns keinerlei Probleme machten. Im Gegensatz dazu sorgte die dünne Luft dafür, dass wir die 500 hm von der Seilbahn bis zum Joch hauptsächlich geschoben haben. Oben angekommen genossen wir die traumhafte Sicht auf Ortler und Königsspitze, tranken unser mitgebrachtes Alkoholfrei und trauten uns dann auf die Abfahrt ins Martelltal. Die Abfahrt ist im oberen Teil an manchen Stellen schwierig und mit den Rucksäcken haben wir einige Stellen schieben müssen aber je weiter man Richtung Martelltal kommt, desto flowiger wird der Trail. Landschaftlich und fahrerisch ein Traum. Da wir relativ früh unterwegs waren, kamen uns auch nur wenige Wanderer entgegen, die dazu noch sehr freundlich den Weg freigemacht haben, wenn wir entgegen kamen. Auf halber Strecke trafen wir dann noch zwei Reiter, die auf ihren Pferden den Weg zum Madritschjoch in Angriff nahmen. Für uns als MTB-ler genauso unverständlich, wie für die Wanderer, dass wir mit den Bikes da runter sind. :-)Mittags haben wir uns dann an der Zufallhütte gestärkt und sind dann über Trails zum Stausee runter. Eigentlich wollten wir hier jetzt weiter über die Wanderwege abfahren aber die Zeit drängte, da wir an diesem Tag noch die Seilbahn in Aschbach nehmen wollten um zumindest 600 hm bei der Auffahrt zum Vigiljoch zu sparen. Deshalb fuhren wir ab dem Stausee die Straße runter um kurz vor der Burgruine Montani noch einmal auf einen Trail zu wechseln. Dieser führt sehr schön an der Ruine vorbei zu den Obstplantagen im Etschtal. Leider hatte der Bierkeller Latsch an diesem Tag geschlossen, sodass wir bei gefühlten 40 Grad Celsius über den Etschradweg weiter bis Naturns gefahren sind. Dort gönnten wir uns noch ein schnelles Eis und fuhren dann weiter zur Seilbahn hinauf nach Aschbach. Um die letzten 350 hm bis zum Vigiljoch in Angriff zu nehmen, stärkten wir uns noch mit einem Alkoholfrei und kurbelten dann den Forstweg hinauf. Eine knappe Stunde später mussten wir nur noch auf der anderen Seite des Vigiljochs zum Gasthof Pawigl runterrollen. Da wir vorgebucht hatten, konnten wir uns Zeit lassen und gönnten uns noch ein Augustiner auf der Gampl Alm. Der Abend beim Pawigl Wirt war dann sehr unterhaltsam und feuchtfröhlich, da jeder seine Erlebnisse bei der Abfahrt vom Madristchjoch teilen musste. Das Essen, der Wein und die Schnäpse waren ausgezeichnet. Vielen Dank an dieser Stelle für die tolle Bedienung und den Koch für das Abendessen und das tolle Frühstück.

Tag 5

Nach dem Madritschjoch hatte ich schon angekündigt, dass diese Etappe eher unspektakulär werden würde. Zunächst fuhren wir den 34er Wanderweg hinuter nach Lana. Dort geht es dann satte 1200 hm hinauf zum Gampenpass. Die Planung sah vor, dies über Nebenstraßen über Völlan und Platzers zu fahren aber am Einstieg dazu war gleich ein Rampe zu sehen und die Mehrheit entschied dann die 5-8 Prozent Steigung über die Hauptstraße zu nehmen. Ich denke das war die falsche Entscheidung, denn erstens gibt es dort sehr viel Verkehr (auch LKWs) und zweitens ist der Großteil der dreistündigen Auffahrt in der Sonne zu fahren. Oben angekommen brauchten wir jedenfalls eine größere Pause bevor wir über den neu angelegt Radweg zum Ort Unsere-liebe-Frau-im-Walde abfuhren. Ab dort geht es über kleine Straßen und Forstwege Richtung Castelfondo. Spätestens hier ist man in Italien und die wenigsten Einheimischen sprechen noch Deutsch.
Über einen neu angelegten Radweg ging es weiter bis zum Einstieg in das Nonstal. Hier fuhren wir sehr schön im schattigen Wald bis zur Wallfahrtskirche San Romedio. Von dort beginnt die Auffahrt zu den „Duo Laghi“ die beiden Stauseen in der Nähe von Coredo. Dort suchten wir uns eine Unterkunft und fanden das schöne Hotel Miraval. Hier entdeckten wir unsere Vorliebe für Aperol Spritz als Erfrischung aber vielleicht lag es auch an den Preisen für das Bier 🙂

Tag 6

Unser letzter Tag sollte uns von Coredo über den Santel Pass auf den Paganella führen. Von dort war geplant am Molveno See vorbei zum Lago Tenno zu fahren. Das hätte noch einmal 1900 hm für diesen Tag bedeutet. Es kam etwas dazwischen aber dazu gleich mehr.Von Coredo ging es erst einmal auf Straßen und Radwegen an einer alten Burg vorbei zum Anstieg nach Fai della Paganella. Hier waren wieder 800 hm in der prallen Sonne zu überwinden. Nach ca. zwei Stunden, kurz vor dem Ort, ist der einzige Brunnen auf dem Weg. Wenn ihr dort hoch wollt, nehmt euch genügend Trinkwasser mit.
Knapp 2 Kilometer hinter dem Ort, startet dann die Seilbahn hoch zum Paganella. Über drei Stationen ging es mit Sesselliften bis auf den Gipfel. Dort stärkten wir uns mit einer sehr leckeren Portion Spaghetti bevor es auf die angelegten MTB-Trails Richtung Molveno See ging.
Und gleich am Anfang des Bärentrails erwischte es mich dann. Zum ersten mal bin ich auf einem Alpencross über den Lenker abgestiegen. Der Überschlag ging dank Helm und Rucksack einigermaßen glimpflich aus aber mein verlängerter Rücken schmerzte gewaltig. Nach kurzem Check lief der restliche Teil des Trails bis zum See dann sehr flowig und unfallfrei.Da wir am Molveno schon relativ spät dran waren und ich bergauf nicht mehr richtig treten konnte, entschlossen wir uns die Tour abzuändern und nicht über den Tenno See zu fahren sondern links ins Sarche Tal abzubiegen. Das war diesmal die richtige Entscheidung, denn es ging dann nur noch sehr schön über einen neu angelegten Radweg bergab bis Sarche. Von dort war es noch ca. eine Stunde bis Riva, wo der obligatorische MTB-Alpencross-Finisher Sprung in den Lago nicht fehlen durfte.

Fazit

ca. 14.800 hm, über 15.000 tm, 414 km in 6 Tagen. Ohne die 4.400 hm mit der Seilbahn wäre dieser Alpencross für uns nicht machbar gewesen. Trotzdem war er nicht weniger anstrengend als die letzten beiden Alpencross. Wir hatten sehr viel Spaß, tolle Erlebnisse, sehr schöne Landschaften und Trails und trotz des vielen Schweißes eine geile Woche. Jeder von uns wird das einmalige Gefühl am höchsten Alpencross-Pass am Madritschjoch niemals vergessen. Und das ist es doch, was wir Menschen anstreben. Unvergessliche Momente erleben!